Apr 152014
 

das verstummte Echo unseres Wohlstandes

aus 02/2014 “tierisch geheilt”  Zeitschrift,  Author Dr. Peter Zimmer. Orginal PDF.

Quelle: Borneo Orangutan Survival (BOS) Foundation

Das Wimmern eines verwaisten Orang-Utan-Säuglings am Rande einer Palmöl-Plantage;

Das Klagen eines kleinen Geschöpfs am letzten Zipfel seines Lebensraums, eines der Letzten seiner Art;

Das Stöhnen einer Milchkuh in Ketten nach der Geburt ihres fünften Kalbes – welches sie wie alle zuvor – nie zu Gesicht bekommen wird;

Das Weinen hungernder Kinder, welchen der Schlaf nur eine kurze Ruhepause bringt – ihre Mutter, ihr Dorf und ihre Kultur aus Gier nach Rohstoffen, nach Energie, nach Biomasse – ausgelöscht;

Die angsterfüllten Todesschreie in den Schlachthöfen, Ställen und Käfigen aus jedem Land der Welt – Klänge die für jedes empfindsame Ohr das Spüren von Angst und Schmerz bezeugt.

Bisher findet in der EU-Subventions-Politik, diese uns alle gemeinsame Fähigkeit zu leiden, keine Beachtung – die Politik stellt zwangsläufig wirtschaftlichen Profit und die Interessen der Lobbys über das Wohl des Individuums – ob Mensch oder Tier.

Ein Thema für Europa

Am 25.Mai 2014 findet die Europawahl statt – und es geht um außerordentlich viel.

Jetzt bestimmen die Wähler, wie die Zukunft der EU aussieht – ob die EU als Ausführungsgehilfe der Banken, Agrarindustrie und Großkonzerne agiert oder wirklich die Interessen der Menschen, Umwelt und Tiere in Europa vertritt.

Nach dem Wegfall der 3% Sperrklausel werden die verbrauchten großen Parteien ihr Macht-Monopol teilen müssen. Zum ersten Mal können auch kleine Parteien, wie etwa die Tierschutzpartei, Mandate bekommen. Es wird bunt! Es lohnt sich also, sich vorab darüber Gedanken zu machen, für welche Prioritäten, mit welchen Akzenten, gewählt werden soll.

 

 Das Verhältnis Mensch – Umwelt – Tier

Als jüngste Spezies auf der Erde haben wir viel erreicht. Mit Menschenhand wurden Werkzeuge geschmiedet, Erkenntnisse aufgezeichnet, Felder beackert, Wildtiere gezähmt. Aber der Mensch hat auch viel angerichtet. Das Vordringen des Menschen ging stets auch mit Leid und Vernichtung einher. Schon vor 10.000 Jahren folgte im Kielwasser des Menschen eine Welle der Ausrottung, die sich bis heute unermüdlich immer weiter und mit immer stärkerer Macht auftürmt. Inzwischen befinden wir uns im 6. und massivsten Massenartensterben der Erdgeschichte.

 Fluch der EU-Agrarpolitik

Die derzeitige EU-Biosprit-Politik und EU-Agrar-Subventionen tragen erheblich dazu bei, dass die schnellste und umfangreichste Ausrottung der Arten aller Zeiten jedes Jahr 100.000 Spezies unwiderruflich ausradiert. Energiepflanzen werden in Deutschland auf einer Fläche von 2,2 Mio. ha angebaut, während auf einer ebenso großen Fläche Regenwald abgeholzt wird, um den Futtermittel-Bedarf mit gen-manipuliertem Soja für die industrielle Fleischproduktion zu decken.  Die europäische Saatgutverordnung beseitigt die Sortenvielfalt der alten Pflanzensorten und heimischen Kräuter, während die weltweite Artenvielfalt dezimiert wird durch das Versprühen von Spritzmittel, wie z.B. jährlich ¾ Mio. Tonnen des hoch-giftigen Totalherbizids Glyphosat. Inzwischen ist Glyphosat  im Urin von 70 % aller Deutschen nachweisbar und über 90% aller Fröschen und Salamander sind weltweit verschwunden.

Aus reiner Profitgier beherrscht eine lebens-missachtende Agrar-Industrie die EU damit es sich durch lukrative Subventionen lohnt, dass jede Woche weltweit zwei Milliarden fühlende Wesen gefoltert, auf langen Transportwegen verfrachtet und anschließend qualvoll umgebracht werden – während eine Milliarde Menschen weiterhin hungern.

 Das „Tier“ Mensch

Eigentlich sind wir Menschen auch „nur Tiere“ebenbürtige Lebewesen wie alle anderen auch und nur ein untergeordneter Teil einer unfassbaren Vielfalt in einer tief miteinander verflochtenen Umwelt. Vom einfachsten Einzeller bis hin zu Riesenkolonien mit Tausenden hoch entwickelte Lebewesen streben sie alle danach, Unangenehmes zu meiden und Bekömmliches zu erlangen. Mensch wie Tier reagieren auf äußere Einflüsse und manipulieren die Umwelt zu ihrem Vorteil. Letztendlich sind gewichtige Unterschiede zwischen Mensch und Tier wesentlich schwerer zu erkennen als die offenkundigen Gemeinsamkeiten.

Gemeinsamkeiten übertreffen Unterschiede

Der Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union legt unter Artikel 13 fest, dass „die Mitgliedstaaten den Erfordernissen des Wohlergehens der Tiere als fühlende Wesen in vollem Umfang“ Rechnung zu tragen haben –  leider fehlt es noch weit in der Umsetzung.

Wie treffend sind da die Worte des ehemaligen Vizepräsidenten der Citybank, Phillip Wollen, der nach einer Investment-Besichtigung eines Schlachthofs seinen Job an den Nagel hängte, alles verschenkte und Veganer wurde:

Wenn es um die Fähigkeit geht, Schmerz und Angst zu empfinden, sind wir alle gleich.“

In dieser Hinsicht ist Maus, Hund oder Hai wie Kuh, Wal oder Kind.

Was weltweit tagtäglich oben auf der Tagesordnung steht, ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit von unvorstellbarem Ausmaß. Wie einst die Sklaverei, so sind heute die Rechte der Tiere das wichtigste Thema der sozialen Gerechtigkeit.

Soziale Gerechtigkeit und die „Haus-Sklaven“

Von El-Hajj Malik El-Shabazz kann man lernen wie die Geschichte der Sklaverei heute noch zutrifft. Es gab früher 2 Sorten von Sklaven. Da war der alte Haus-Sklave und der Feld-Sklave. Die Feld-Sklaven lebten in Hütten, trugen die schlechtesten Kleider, aßen das schlechteste Essen. Sie erlebten die Hölle. Und dann gab es den Haussklaven. Sie passten immer auf ihren Herrn auf. Der Haus-Sklave konnte sich das leisten, weil er besser lebte als der Feldsklave. Er aß besseres Essen. Er trug bessere Kleidung. Er lebte in einem besseren Haus. Wenn der Feld-Sklave zu sehr aus der Reihe tanzte, brachte der Haus-Sklave ihn wieder auf Spur. So war alles klar.

Auch heute geben sie den Ton an. Nun sind es die Haus-Sklaven der Banken, Energiekonzernen und der Agrarindustrie die gegenwärtig uns regieren – ob auf nationaler oder europäisch-internationaler Ebene – in Medien, Gremien und Parlamenten eingenistet.

Und die berechtigte Resignation der Nicht-Wähler (56,7%) legitimiert dieses vorherrschende System  – den so wird alles erst recht bleiben wie es ist. Wer aber für die Rechte von Mensch, Umwelt und Tier ist und das EU-Parlament von den alt-eingesessenen Haus-Sklaven der Multinationale Konzerne befreien möchte, der nutzt die kommende EU-Wahl und schickt sie endlich nachhause.

Was uns verbindet

Ähnlich wie der Mensch können auch Tiere auf verschiedenste Weise kommunizieren, intelligentes Verhalten zeigen, sogar Werkzeuge verwenden. Aber das wohl Wesentlichste, was Mensch und Tier verbindet, sind Gefühle. Tiere empfinden ebenso wie der Mensch Freude, Leiden, Schmerzen, Furcht und Trauer. Tiere empfinden und handeln in vieler Hinsicht genau wie der Mensch. Der Hund freut sich, wenn er sein „Herrchen“ sieht, ebenso, wie das Krokodil sich mit Hingabe um seine Jungen kümmert. Eine Kuh leckt ihr Kalb ab: sie demonstriert Mutterliebe –aber eben auch größten Kummer, wenn das Kalb, wie heute üblich, sofort nach der Geburt im Zuge der Milchproduktion der Kuh für immer entrissen wird.

Auf dieser Ebene, auf der Ebene der Emotionen, verstehen sich Mensch und Tier am besten.

Tierische Zuneigung

Es ehrt den Mensch, wenn ein Tier ihm seine Zuneigung schenkt. Egal, ob Hund, Katze, Pferd, Vogel oder Kuh, es ist etwas ganz Besonderes, wenn das Tier uns anblickt und uns zu verstehen gibt: „Mensch, ich mag dich.“ Dafür müssen wir gar nicht die gleiche Sprache sprechen. Es ehrt uns, weil Tiere so intuitiv sind – und so klug. Wenn sie uns anschauen, haben wir das Gefühl, sie verstehen uns. Wir spüren ihr unendliches Vertrauen in uns. Sie strahlen Wärme aus und Ruhe, und doch bleibt an ihnen etwas Rätselhaftes, etwas, das wir nicht besitzen können.

Kontakt mit Tieren tut der menschlichen Psyche gut. Eine Katze zu streicheln, senkt nachweislich den Blutdruck. Für Kinder ist es eine enorme Bereicherung, mit Tieren aufzuwachsen. Tiere haben heute zu Recht einen hohen Stellenwert für uns. Die Verbindung zu einem Tier ist für viele Menschen von großer Bedeutung, ob als Freund, Helfer, Kompagnon, Therapeut oder Kindersatz.

Geschäfte mit Freunden

Für die einen gilt der treue hingebungsvoller Hund als bester Freund, für die anderen wird Hundemord Anlass für ein riesen Geschäft.  In den südosteuropäischen Mitgliedstaaten werden jährlich Hunderttausende streunende Hunde und Katzen vergiftet, vergast oder sogar brutal erschlagen – vom Steuerzahler finanziert. Am schlimmsten sind zurzeit die Verhältnisse in Rumänien, wo seit Herbst 2013 eine lukrative EU subventionierte Hundetötungs-Industrie auf grausamste Art gegen etwa 500.000 Streunerhunde vorgeht. Jeden Tag ereignen sich unbeschreibliche Gräueltaten an wehrlosen Tieren. Eine Lösung wäre die konsequente, flächendeckende tierschutzgerechte Sterilisation, Registrierung und Tollwut-Impfung. Da, die Hauptursache für das Hunde-Pogrom in der vorherrschenden Armut liegt, wäre ein einheitliches europaweites Bedingungsloses-Grund-Einkommen viel effektiver um die Tiere zu schützen als die Verschwendung von Steuergeldern für EU-Subventionierter Hundemord.

Zum Schutz des Tieres in Europa

Die Durchsetzung eines einheitlichen Schutzniveaus für alle Tiere innerhalb der EU ist dringend erforderlich.

Auch die Einhaltung geltendes EU-Tierschutzrecht durch die Mitgliedstaaten muss gewährleistet sein. Leider darf sich bisher nur die Tiernutzerseite per Klage gegen Tierschutzauflagen der Behörden wehren. Die Tierschutzseite kann dagegen nicht vor Gericht klagen, um festzustellen ob geltendes Tierschutzrecht von den Behörden auch tatsächlich angewendet wurde. Es sollten alle EU-Mitgliedstaten Tierschutzorganisationen das Verbandsklage-Recht einräumen müssen, damit diese, Verletzungen des Tierschutzrechts gerichtlich überprüfen können.

Die Tierhaltung in der Landwirtschaft steht mehr denn je in der Kritik – und das nicht nur bei Tierschützern. Dubiose Tiertransporte, Antibiotika, Tierfabriken, Lebensmittelskandale sowie eine Flut von neuen, hochindustriellen Massentierhaltungsanlagen führen zu einer wachsenden Ablehnung. Für ein Paradigmenwechsel hin zu einer tier- und umweltverträglichen Landwirtschaft ist ein Politikwechsel erforderlich. EU-Subventionen für die Agrarindustrie, Massentierhaltungsanlagen, Schlachthöfe und Tiertransporte müssen abgeschafft werden.
Eine Ernährungssicherung ohne Tierleid sollte das Endziel sein.

Trotz mehrheitlicher Ablehnung werden die Interessen der Mächtigen lächelnd durchgesetzt.  EU-Subventionen machen Industrielle Tierhaltung und lange Tiertransporte erst wirtschaftlich. Die EU-Tierversuchsbranche verschlingt Steuergelder, obwohl die Ergebnisse erwiesenermaßen nicht auf dem Menschen übertragbar sind. Mit dem Freihandelsabkommen zwischen USA und Europa (TIPP) drohen der europäischen Bevölkerung u.a. den Einfuhr von Gentechnik, Klonfleisch und extrem bedenkliche gesundheitlichen Risiken. Ebenso sind Steuererhöhung für kontraproduktive EU-Subventionen und Bank-Rettungs-Pakete keineswegs im Sinne des Mensch-, Umwelt- oder Tierschutzes.

Wer Lobbyismus und alt eingesessenes Klientel-politik nicht länger tolerieren will und lieber für Mensch, Umwelt und Tier in die Zukunft dieser Erde investieren möchte, kann jetzt bei der EU-Wahl die Möglichkeit nützen etwas zu ändern.

Mit der Politik der Europäischen Union nehmen wir Einfluss auf das Weltgeschehen.
Welche Welt möchten wir der nächsten Generation hinterlassen?
Am 25.5.2014 entscheiden wir mit unserem Gewissen darüber.

Dr. Peter Zimmer, Tierarzt, Tierfreiheitskämpfer, EU-Kandidat der Tierschutzpartei

Dr. Peter Zimmer, Tierarzt, Tierfreiheitskämpfer, EU-Kandidat der Tierschutzpartei

 

Über den Autor: Dr. Peter Zimmer (www.peterzimmer.eu) lebt auf seinem s.g. Tiergnadenhof im bayerischen Voralpenland und ist naturkundlich orientierter Tierarzt und Biolandwirt mit Schwerpunkt medizinische Heilkräuter. Er engagiert sich als s.g. Tierfreiheitskämpfer für das Wohl der Tiere und hat kürzlich ein Bürgerbegehren gegen Tierversuche und die Auslagerung der tierärztlichen Fakultät in München initiiert (www.tier.info)

 

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