Urwahl 2012

 

4 vor 12 - Vom Urwald zur Urwahl - Focus Interview mit Dr. Peter Zimmer, Focus 01 Okt. 2012, Nr 40-1 s.19

Über Eines, was vielen Menschen weitgehend vorenthalten wird, sind sich die WissenschaftlerInnen vom Fach weitgehend einig:  Wir Lebewesen der Erde befinden uns zur Zeit in der Phase des 6. und größten Massenaussterbens der Erdgeschichte, d.h. ein Großteil der Artenvielfalt der Erde ist im Begriff, für immer zu verschwinden.  Allerdings:  Die Arten verschwinden nicht nur mit rasanter Geschwindigkeit, schneller und in größerem Umfang als bei allen bisherigen Massensterben zuvor (die durchschnittlich zwischen 10 und 100 aussterbenden Arten pro Jahr aus der Fossilgeschichte werden allein durch die momentane Extinktionsrate in den tropischen Regenwäldern übertrumpft, zur Zeit geschätzt auf weit über 25.000 Arten pro Jahr) –  Das Aussterben ist nachweislich fast ausschließlich die Folge der Tätigkeit einer Art – wir Menschen eben – der aber auch in der Lage wäre,  dieses Fehlverhalten zu erkennen und zu ändern.

Im Jahr 2011 wurden in Deutschland Energiepflanzen auf einer Fläche von 22.800 km² (entspricht 2,28 Millionen ha, d.h. 19% der Ackerfläche oder 6.5% der Landfläche Deutschlands) angebaut; wobei im selben Zeitraum eine ebenso große Fläche von 2,2 Mio. ha amazonischen Regenwalds der Axt zum Opfer Fiel um Deutschlands Bedarf an Soja für die Fleischproduktion zu decken. Die zur Zeit effizienteste Form der Bio-Energie, eine intensiv gedüngte, herbizidgespritzte, artendezimierende Biogas-Mais Monokultur-Wüste, produziert pro Hektar maximal 2kW elektrische Leistung aus Biogas zusammen mit 740g CO2 netto, d.h. es werden jährlich 10MWh und 3,7 Tonnen zusätzliches CO2 erzeugt. Die Bilanz von Pflanzenöl, Bio-Diesel und Bio-Ethanol ist noch wesentlich schlechter. Im Vergleich dazu erzeugt eine Freiflächen-PV-Anlage pro Hektar 830kW, d.h. jährlich ca. 800MWh Strom und vermeidet dabei 679g CO2 Äquivalente pro kWh, d.h. 543,2 Tonnen CO2 werden vermieden !

Um in Deutschland einen ökologischen und wirtschaftlichen Wandel zu einer nachhaltigen Mobilität voranzutreiben wäre es sinnvoll Photovoltaik auf 1,5% der Ackerflächen mit Ausbau der entsprechenden Stromspeicherung um den kompletten Strombedarfs Deutschlands zu decken und ein schlagartiges, flächendeckendes heute schon wirtschaftliches Umsteigen auf Elektromobilität zu ermöglichen.

Nach dem Desaster in Fukoshima hofften alle auf Politik-Wechsel, um den lang ersehnten Atomausstieg tatsächlich sofort zu vollbringen.  Leider waren sehr viele bitter enttäuscht – scheinbar ist die Lagerung von Atommüll für Millionen von Jahren einfacher als alt eingesessene Politiker zu sinnvollem Handeln zu bewegen.  Im Namen einer Energiewende wird das EEG stufenweise abgeschwächt, der PV Ausbau auf 3,5GW/Jahr begrenzt (somit könnten wir nach 190 Jahren, d.h. im Jahr 2200, unseren gesamten heutigen Strombedarf durch PV abdecken). Naturschonende PV-Freiflächen auf dem Acker werden gestrichen, obwohl man auf der heutigen Anbaufläche für Biogas-Mais einen düngemittel- und pflanzenschutzmittelfreien Naturpark mit PV-Freiflächen Anlagen hinstellen könnte, der den gesamten Strombedarf Deutschlands 12,6 mal abdeckt..

0.)  Schutz und Rechte für alle Mitgeschöpfe – Ehrfurcht vor allem Leben als Norm

1.)   Bildungsgerechtigkeit und Förderung jedes Kind nach seinen Interessen und Bedürfnissen

2.)   Nahrungsmittelwende – leidfrei und ökologisch statt Massentierhaltung und Giftspritzen

3.)   sofortigen Atomausstieg  – ohne Kompromisse oder Kuhhandel

4.)   schnellstmögliche 100%-ige Deckung des Strom-Bedarfs durch PV, Wind, Geothermie

5.)   Sofortige Umwandlung von 1,5% der Ackerfläche zu Naturschutzflächen mit 690GWp PV-Freiflächen

6.)   ökologische Agrarwende statt Subventionen für intensive Landwirtschaft

7.)   statt Mais nur noch Öko-Landwirtschaft oder Mikro-Algen als NAWARO ins EEG

8.)   sofortige Abschaffung des Beimischungszwangs von Biosprit aus Pflanzenöl

9.)   schnellstmöglichen Umstieg auf Elektromobilität oder Diesel aus Mikro-Algen

10.)  sofortige Abschaffung der Begünstigungen von Bio-Diversität gefährdenden Biogas-Anlagen

11.)   sofortige Streichung von ca. 2.000 EUR pro Hektar Förderung für Biogas-Mais-Anbau

12.)  Wohlstand, Entlastung und Ende der Finanzkrise durch Ausbau des Öko-Konjunkturmotors

13.) flächendeckend Elektrofahrzeuge als Ersatz für Benzin- und Dieselfahrzeugen

14.) Banken-, Luxus- und Finanzsteuern statt Steuer- und Vermögensabgaben von einfache Bürgern

15.) Grundsicherung und Sozialegerechtigkeit mit einem Ende der Verschwendung für schlechte Politik

Um eine wirklich funktionierende Demokratie zu wahren, sollte jedes Mitglied seiner Pflicht nachkommen, sich daran zu beteiligen – sonst besteht die Gefahr, dass unser politische System degeneriert, in Richtung einer plutokratischen Oligarchie, wie wir gegenwärtig an vielen anderen s.g. „Demokratien“ ablesen können.   Ein reger Machtwechsel ist ein Segen und der Krafttrunk, der eine Demokratie erst richtig zum Florieren bringt.  Die alten Griechen wussten das, so wurden solche Typen, welche sich nicht beteiligten, als ἰδιώτης verhöhnt.  Allerdings, unter Beteiligung verstand man viel mehr als nur das Wählen – es wurde die aktive Teilnahme an den politischen Ämtern von allen erwartet – nicht wie heute, wo wir fast ausschließlich von Lobby-gekaufte Profi-politiker regiert werden.  Die Amtsinhaber wurden sinnvollerweise nicht durch eine Wahl entschieden, sondern mittels Los selektiert. Eine zweite Amtszeit war nicht drin.

Ich bin überzeugt davon, dass es für einen sinnvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen, zur ökologischen Energie- und Nahrungsmittelerzeugung, zum Schutz und zur Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts in unserem natürlichem Lebensraum und zum Schutz und zur gleichberechtigten Bewahrung der Rechte und des Daseins von Kindern, Senioren, allen anderen Menschen, Tieren und sonstigem Leben einen nach basis-demokratischen Grundsätzen agierenden KandidatInnen geben muss, der diese Ansicht vertritt und danach handelt. Auch nur solche sind überhaupt wählbar.

 Posted by at 16:08

  9 Responses to “Urwahl 2012”

  1. Ich finde was Du sagts und machst wirklich toll. Deine Reden wirken soetwas von ehrlich, anstatt immer das geübte Gequatsche. Mach weiter so und ich wünsche Dir viel Erfolg.

  2. Die Urwahl ist vorbei. Nachdenklich blickt man auf die Ergebnisse: Um die 70% für Trittin. Für mich ein Zeichen, dass sich die Partei endgültig von ihrer kreativen Vergangenheit verabschiedet hat. Ziel ist unter allen Umständen mitregieren zu können. Und diesem Ziel wird alles untergeordnet. Es war bereits am Anfang merkwürdig dass sich keine Kandidaten aus der MdL-Ebene oder den Parteikreisen der Länder zur Wahl gestellt haben. Man hat eine demokratische Urwahl gemacht, die aber so nicht wirklich gewünscht war, sie war nur ein Geburtsfehler, der nicht rückgängig gemacht werden konnte, ohne da grüne Gesicht zu verlieren. Ich habe Peter Zimmer gewählt und ich bin verstört, wie wenig Stimmen die alternativen Kandidaten bekommen haben. All das gibt zu denken. Meine Zukunft sehe ich nicht mehr in dieser Partei.

  3. Mir gefällst Du am besten von allen nicht prominenten KandidatInnen. Zum einen erwarte ich von einem Spitzenkandidaten dass er bereits länger als 3 Jahre Mitglied ist und mindestens einmal auf einer BDK als Gast teilgenommen hat, um wenigstens ein bissche zu wissen oder ahnen, auf was er sich da einlässt.
    Ich hatte keine Gelegenheit an der Leipziger Vorstellung teilzunehmen. Zum anderen sollte also schon ein längeres Engagement in einem der wichtigsten grünen Themen erfolgen, wie z.B. Ökologie, Friedenspolitik, sozial orientierte Gesellschaft, etc. Außerdem sollten die Kandidaten nicht zu alt sein.
    Ich finde dass es auffallend viele Kandidaten sind, die gerade mal erst in die Partei eingetreten sind. Sind die langjährigen Mitglieder bereits so gelähmt, dass sie sich eine Bewerbung nicht zutrauen?

  4. Dein Programm ist prima, du hast meine Stimme. In der Vorstellung kommt das Persönliche aber wirklich zu kurz. Das mußte ich mir über den Taz-Link besorgen und auf deiner Homepage mühsam recherchieren. Das könntest du wenigstens auf der Homepage noch verbessern.

  5. Ich bin jetzt der alphabetischen Reihenfolge nach alle Kandidaten durchgegangen. Du bist der einzige der nicht schwafelt. Ob sich das, was Du gern sehen möchtest, durchsetzten lässt ist fraglich – aber wenigsten fragt mal einer danach! Viel Glück!

  6. Endlich traut sich einer was zu sagen. Hut ab.

  7. Ich bin dafür.
    Danke für Dein Einsatz…
    auch im Namen der Kinder und der Tiere.

  8. Danke, dass du dich für urgrüne Ziele stark machst!
    Ich fand deinen Vortrag in Leipzig toll – besonders, dass du dich gegen das Versprühen von Giften wie Glyphosat einsetzt.

  9. Bravo.
    Der erste Grüne der sich gedanken gemacht hat wie wir konkret die Erde retten.
    Gefällt mir besser als das Linke gequatsch.

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